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Künstliche Intelligenz für den Rechtsanwalt

Künstliche Intelligenz für den Rechtsanwalt

Wir sprachen bereits über den Anwaltszukunftskongress im September 2016 in Köln. Dort hatte das Thema Digitalisierung einen äußerst hohen Stellenwert. Neben den Veränderungen in der Zusammenarbeit zwischen Gerichten und Rechtsanwälten sowie generell in der Art der Kommunikation stellten Legaltech-Unternehmen Ihre Dienstleistungsprozesse vor. Bei ihnen geht es überwiegend darum, ein kleines, überschaubares rechtliches Problemfeld durch Automatisierung schnell und gleichbleibend gut zu bedienen. Dieses Vorgehen steigert die Effizienz. Künstliche Intelligenz fördert solch systematisches, sich wiederholendes Vorgehen jedoch auch in anderen anwaltlichen Bereichen – das meint zumindest ReNoStar.

Der Anwaltsberuf ist im Umbruch, nicht allein durch den fortschreitenden elektronischen Rechtsverkehr. Wer den Schwung der Digitalisierung gezielt nutzt, erhält die Chance, auf einer „neuen Welle“ zu reiten, statt darin unterzugehen. Ein Vortrag von Marco Buhleier, Geschäftsführer der ReNoStar GmbH, auf dem Kongress unter dem Titel Kanzlei 4.0 lockte viele interessierte Zuhörer in den Saal. Er überführte damit visionäre Überlegungen – lesen Sie hier mehr über den Kanzlei 4.0 – in die Realität und stellte dem Auditorium LawKI vor.

Rechtsanwälten ist die Studie der Prognos AG ‚Der Rechtsdienstleistungsmarkt 2030‘ aus dem Jahr 2013 im Auftrag des DAV (hoffentlich!) bekannt. Wir berichteten darüber. Es geht darum, wie sich ihr Markt künftig weiterentwickelt. Bedenkt man, wie genau sich die Prognosen der vorangegangenen Studie bewahrheitet haben, empfiehlt es sich, auch die o.g. Forschungsarbeit ernst zu nehmen.

Eine Erkenntnis der Studie besagt, dass es für Kanzleien immer bedeutsamer wird, möglichst viele ‚Standard‘-Fälle schematisiert und effizient zu bearbeiten, um am Ende einen vernünftigen Ertrag zu erwirtschaften. Dabei kommt der elektronischen Kommunikation sowie modernen Softwarelösungen mit intelligenten Modulen für bestimmte Fachbereiche eine steigende Bedeutung zu. Legaltech-Unternehmen machen genau das: Sie fokussieren sich auf Massenfälle oder sehr spezifische Rechtsangelegenheiten, die immer ähnlich ablaufen und die man mittels geballter IT-Power und Big Data standardisieren kann und damit bis zu einem gewissen Punkt keinen Anwalt braucht. Beispiele sind www.flightright.de, www.geblitzt.de oder www.advocado.de.

Eine Horrorvorstellung für den Rechtsanwalt?

Ist diese Aussicht nicht eine Horrorvorstellung für jeden niedergelassenen Anwalt? Mitnichten! So nahm Marco Buhleier die Zuhörer mit auf eine Reise, die zeigen sollte, dass die intelligente Nutzung von IT-Power jedem Anwalt hilfreich zur Seite stehen kann, denn unter dem Stichwort KI – Künstliche Intelligenz – entstehen Algorithmen, die den Rechtsdienstleistungsmarkt verändern werden. So gibt es nicht wenige Rechtsgebiete, in denen sich durchaus wiederkehrende Fallkonstellationen finden, die sich so weit automatisieren lassen, dass der Anwalt ein Vielfaches an Mandaten umsetzen kann, weil er nicht jedes Mal ‚das Rad neu erfinden‘ muss. Beispiele: Familienrecht (Scheidung, Ehevertrag), Mietrecht (Mietkürzung, Wohnungsmängel), Arbeitsrecht (Kündigungsschutzklagen, Abmahnungen) oder Verkehrsrecht (Unfallschadenabwicklung).

Das vorgestellte browserbasierte System LawKI ist in der Lage, eingegebene Sachverhalte und Schlagworte mit im System hinterlegten logischen Verknüpfungen in Relation zu setzen. Dadurch lassen sich Massenfälle oder regelmäßig wiederkehrende Fallkonstellationen durch juristisches Basis- und Expertenwissen quasi auf Knopfdruck vorbereiten und weitestgehend automatisch abbilden. Anhand von Schlüsselworten erkennt das System mögliche Rechtskonstellationen und schlägt diese vor. Nach Bestätigung der Aufgabe stellt LawKI einen strukturierten Fragenkatalog bereit, der automatisch durch den Fall führt und somit die erforderlichen Informationen einholt. Im Hintergrund erfolgt eine materiell rechtliche Prüfung anhand der Fragen/Antworten. Ergebnis ist ein Strategiepapier, das dem Rechtsanwalt das erfolgversprechende Vorgehen detailliert beschreibt. Ist der Anwalt mit dieser Fallabwicklung einverstanden, so gibt er den Fall für das System frei. Nun findet eine Kommunikation zwischen LawKI und der Kanzleisoftware ReNoStar statt. Im Dokumentenmanagementsystem entstehen automatisch die ersten Dokumente und Schriftsätze. Von der Mandatsannahme bis zur Kommunikation mit der Gegenseite oder einem Gericht. Dies ist möglich, weil ReNoStar die strategischen Informationen mit den Mandanten-Stammdaten zusammenführt und somit komplette Dokumente erstellt, bei denen Platzhalter wie Mandantenname oder Gegneranschrift in den hinterlegten Expertentexten automatisch gefüllt werden.

Künstliche Intelligenz heißt lernen

Für diverse standardisierbare Fallkonstellationen bietet ReNoStar bereits fertige Fallbearbeitungen an, die sukzessive ausgebaut werden. Nach Ansicht von Marco Buhleier ist jedoch ein weiteres Highlight, dass das LawKI-System auch lernfähig ist. Das ist insbesondere dann wertvoll, wenn eine Kanzlei sich auf ein sehr spezifisches Rechtsgebiet fokussiert und darin eine eigene hohe Kompetenz aufgebaut hat. Mittels LawKI wird es möglich, dieses Wissen und bewährte Vorgehensweisen sowie Lösungsstrategien mit geringem Aufwand selbst im System zu hinterlegen. Damit wird dieses Wissen ebenfalls standardisierbar und für die Zukunft konserviert. Anders gesagt: Selbst wenn ein Anwalt eine Kanzlei verlässt, geht dieses Spezialwissen dann nicht mehr verloren.

Fazit

Offenbar gibt es einen Bedarf für solche Lösungen, bei denen KI mit der herkömmlichen Kanzleisoftware verknüpft wird. Standards erleichtern und beschleunigen die Arbeit und steigern parallel die Qualität. Intellektuelles Kapital geht nicht verloren und der Kanzleiwert steigt – auch interessant im Hinblick auf eine spätere Veräußerung. Interessant war auch, dass direkt im Anschluss an die Veranstaltung kleine und große Kanzleien sowie Unternehmen Interesse an einer konkreten Vorführung bekundeten. Am Ende kann jeder Nutzer entscheiden, ob er LawKI nun nutzen möchte, um seine Work-Life-Balance zu verändern oder um den Erfolg bei gleichem Einsatz zu steigern…

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